Auftaktseminar des achten Jahrgangs des Deutsch-französischen Zukunftsdialogs

Anlässlich des Gedenkjahres 2014 zur Erinnerung an den Beginn des Ersten Weltkriegs fand das Auftaktseminar des Deutsch-französischen Zukunftsdialogs 2014 in den französischen Städten Metz und Verdun statt. Berufseinsteiger und Doktoranden aus Deutschland und Frankreich diskutierten gemeinsam die Rolle der Vergangenheit für die Beziehungen beider Länder und richteten den Blick auf aktuelle und künftige Herausforderungen der deutsch-französischen Freundschaft.

Im Rahmen einer Diskussionsrunde im "Centre mondial de la paix" in Verdun erörterten die Teilnehmer des Zukunftsdialogs zunächst die Rolle von Erinnerungskultur und Symbolpolitik für die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich. Im Anschluss brach die Gruppe in Begleitung des heutigen Bürgermeisters der 1916 zerstörten Gemeinde Fleury-devant-Douaumont zu einer Besichtigung der Gedenkstätten in und um Verdun auf.

Zum Abschluss des Seminars richteten die Teilnehmer den Blick in die Zukunft und analysierten gemeinsam mit dem Journalisten Jean Quatremer und Professor Ulrich Eith von der Universität Freiburg den Wahlkampf zur Europawahl 2014.

Seminarprogramm

Zweites Jahresseminar des Deutsch-französischen Zukunftsdialogs

Wie entwickeln sich die Ukraine-Krise und die europäisch-russischen Beziehungen? Wie positionieren sich Deutschland und Frankreich in der EU-Erweiterungspolitik und gegenüber den Balkan-Staaten? Und welche Kooperationsmöglichkeiten gibt es zur Lösung der Konflikte in Westafrika? Während des zweiten Seminars des Deutsch-französischen Zukunftsdialogs widmete sich die Teilnehmergruppe aktuellen außen- und europapolitischen Themen.

Gemeinsam mit Experten aus Theorie und Praxis loteten die Teilnehmer des Zukunftsdialogs im Rahmen mehrerer Diskussionsrunden die Potenziale einer deutsch-französischen Kooperation zur Krisenbewältigung in Osteuropa und auf dem afrikanischen Kontinent aus. Angesichts der anhaltenden Eurokrise und der Stimmengewinne euroskeptischer Parteien bei der Europawahl im Mai 2014 diskutierten die Teilnehmer außerdem die künftige Rolle Deutschlands und Frankreichs im europäischen Integrationsprozess.

Gemeinsam mit den Ehemaligen des Deutsch-französischen Zukunftsdialogs unternahm die Gruppe außerdem einen Ausflug an den Ammersee und zur Klosteranlage Andechs.

Seminarprogramm

Drittes Jahresseminar des Deutsch-französischen Zukunftsdialogs

Wie sind die Beziehungen zwischen Deutschland, Frankreich und Italien einzuordnen? Wie positionieren sich die drei Länder bezüglich der Binnenmigration in der Europäischen Union? Auf welche Herausforderungen trifft die unterschiedliche Industriepolitik Deutschlands, Frankreichs und Italiens? Diese und weiter Fragen diskutierten zwanzig Teilnehmer aus Deutschland und Frankreich während eines viertägigen Seminars in Florenz. Bei einem Ausflug nach Greve in Chianti erfuhren die Teilnehmer mehr über die italienische Weinkultur.

Am letzten Seminartag diskutierten die Teilnehmer mit zehn jungen italienischen Berufseinsteigern über die europäische Asylpolitik, die Eurokrise und das Thema der Austeritätspolitik, bevor die Gruppe gemeinsam an einer Stadtführung durch Florenz teilnahm.

Seminarprogramm

Deutschland, Frankreich und Europa 25 Jahre nach dem Mauerfall

Bei einer gemeinsamen Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, des Institut français und der Französischen Botschaft in Berlin am 6.11.2014 ging Hubert Védrine, Außenminister Frankreichs von 1997 bis 2002 im Kabinett von Premierminister Lionel Jospin unter Präsident Jacques Chirac, bei einer Matinée mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Deutsch-französischen Zukunftsdialogs in der Französischen Botschaft auf die Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen seit dem Mauerfall ein.

Kein Anlass, Deutschland Vorwürfe zu machen

Die politische Elite und die Bevölkerung hierzulande haben die Neuordnung Deutschlands und Europas erfolgreich gemeistert. Die immer wieder geäußerte Kritik an Deutschland, es sei durch die Wiedervereinigung politisch und ökonomisch zu stark geworden, sei weder logisch noch angebracht, so Védrine.

Frankreich habe, unabhängig von der deutschen Wiedervereinigung und im Gegensatz zum Nachbarn, die letzten 25 Jahre nicht genutzt, um nötige Reformen umzusetzen und die ausufernden Kosten des Wohlfahrtstaates zu reduzieren. Gleichzeitig sei die Debatte zu Investitionen legitim, da die derzeitigen wirtschaftlichen Probleme nicht losgelöst von dieser Frage betrachtet werden können.

Mehr Gelassenheit in der Debatte zur Rolle Deutschlands und Frankreichs in Europa

Nicht nur das Ende der Einteilung Europas in Ost und West, auch die Entwicklung gemeinsamer Lösungsansätze zu den zahlreichen aktuellen internationalen Konflikten bedingten eine deutsch-französische Kooperation. Man müsse aber feststellen, dass sich das Gleichgewicht seit 1990 zu Gunsten Deutschlands verschoben habe. Außerdem sei die Partnerschaft um andere Kooperationen erweitert worden, sodass die Metapher vom deutsch-französischen "Paar" nicht mehr passe.

Während der Jahre des Umbruchs hätten die Meinungsverschiedenheiten stets zu konstruktiven Lösungen geführt. So sei Staatspräsident Mitterands Drängen – trotz medialer Opposition in Deutschland und bevorstehender Wahlen im März 1990 –, dass Deutschland die Oder-Neiße-Grenze anerkennen sollte, lobenswert und könne noch heute als Beispiel für offene Diskussionen dienen.

Den Graben zwischen europäischer Elite und Bevölkerung durch mehr Subsidiarität schließen

Aus einer persönlichen Sicht kritisierte Védrine den Ansatz, die alleinige Zukunftsvision in einer sich vertiefenden Integration der Europäischen Integration zu sehen. Dies könne nicht funktionieren, da die Bürger nicht mitzögen, wenn sie den Eindruck hätten, die Volkssouveränität könnte gefährdet sein. Védrine nannte die häufig als euroskeptisch dargestellten Parteien wie Front National, UKIP oder AfD europafeindliche Parteien, die besorgniserregenden Zuwachs verzeichneten. Dass sie Mehrheit der EU-Bürger bei den Europawahlen Nicht-Wähler waren, zeige zudem, dass nur noch eine in den Medien dominante Elite bedingungslos mehr Integration befürworte. Die Bürger könnten erst dann wieder wirklich erreicht werden, wenn die Parteien ihren Europa-Diskurs ändern würden.

Lösungsansätze, um die europäische Idee neu zu definieren, seien die Akzeptanz des Nationalstaats, sowie mehr Subsidiarität und die Stärkung der nationalen Parlamente. Außerdem warnte Védrine vor einem historischen Fehler, all denjenigen, die nicht für mehr Integration seien, Nationalismus zu unterstellen.

Ein Europa der Diversität

Besonders bei gemeinsamen europäischen Militäreinsätzen erwarteten die Partner ein verstärktes deutsches Engagement, auch wenn derzeit durch die verschiedenen Interessen keine gemeinsame europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu erwarten sei und der westliche Interventionismus nicht mehr funktioniere. Zu dringenden außenpolitischen Fragen müssten sich nicht unbedingt Deutschland und Frankreich, sondern die zwei EU-Länder mit den unterschiedlichsten Ansätzen auf einen Nenner einigen, um den Partnern einen Kompromissvorschlag machen zu können. Bei der Frage zu Sanktionen gegen Russland hätten beispielsweise Polen und Italien vor dem Treffen der EU-Außenminister und des Europäischen Rates zusammenkommen können, um divergierende Meinungen zu besprechen und eine gemeinsame Position zu finden.