Das Handwerkszeug guter Interviewführung

Eine Fortbildung zum Führen von Gesprächen in schwierigen Kontexten bekam der aktuelle Jahrgang des Deutsch-Französischen Zukunftsdialogs bei einem Webinar mit dem Soziologen Dr. Jérémie Gauthier, der am Centre Marc Bloch und an der EHESS zu den Themen Polizei, dem Verhältnis von Sicherheitskräften und Bürgern und Diskriminierung forscht.

Neben einem Einblick in seine Forschung gab er den Kleingruppen wertvolle Tipps für einen guten Interviewverlauf: Der Weg dorthin beginnt schon bei der Kontaktaufnahme mit der ausgewählten Zielgruppe, wofür sowohl institutionelle wie auch private Netzwerke etwa in Sportvereinen genutzt werden können. Während des Interviews ist es wichtig, die Gesprächssituation in ihren Kontext einzubetten, etwa, ob das Gespräch für wissenschaftliche oder journalistische Zwecke verwendet wird. Auch ist darauf zu achten, die Gesprächspartner nicht mit Fakten und Zahlen zu konfrontieren , dies schafft häufig eine gefühlte Ungleichheit zwischen den Interviewpartnern. Auf die Frage, ob und wie auf populistische Aussagen reagiert werden sollte, entgegnete Gauthier, dass er als Soziologe einerseits versucht neutral und sachlich zu bleiben, andererseits aber auch durch geschickte Gesprächsführung und im Vorfeld recherchierten Fakten und Beispielen, auf andere Fälle hinzuweisen und so die häufig groben Vereinfachungen zu entkräften.

Der Jahrgang wird den Erfahrungsbericht in den kommenden Wochen nun nutzen, um weiter an den Gruppenprojekten zu arbeiten: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des diesjährigen Jahrgangs führen derzeit Gespräche mit Deutschen und Franzosen ganz unterschiedlicher Hintergründe über Demokratie und Europa, um den derzeitigen Vertrauensverlust zwischen Bürgern und Politik besser zu verstehen. Die Ergebnisse werden im Oktober während des Abschlussseminars in Paris vorgestellt.