Grünes Europa

Engagement, Überzeugungen und Erwartungen der „Generation Klima“

Von Guillaume Amigues, Perle Baillard, Fabien Baudelet, Yann Fournier-Passard und Timo Stühm

Die im August 2018 auf Initiative der jungen schwedischen Aktivistin Greta Thunberg entstandene Bewegung Fridays for Future hat sich rasch in vielen europäischen Ländern ausgebreitet. Schon bald schlossen sich auch andere Protestbewegungen (z. B. Extinction Rebellion) der internationalen Bewegung von Schülern an, die jeden Freitag den Unterricht bestreiken, um gemeinsam für den Kampf gegen den Klimawandel zu demonstrieren. Mittlerweile finden Proteste in ganz Europa mit insgesamt mehreren Millionen Teilnehmer*innen statt. Dies lässt das Potenzial zur Herausbildung einer neuen europäischen Identität der Jugend im Zusammenhang mit Fragen des Klimawandels erahnen. 

Doch was haben eine junge rumänische Studentin wie Ana, der in Berlin studierende Quang und die in London lebende 32-jährige Anwältin Rona gemeinsam? Welcher Bewegung fühlen sie sich zugehörig? Wie stark engagieren sie sich? Welche Erwartungen haben sie an die politischen Entscheidungsträger*innen, was die Klimafrage betrifft? Sind sie der Meinung, dass vor allem auf globaler Ebene gehandelt werden muss, oder halten sie die lokale Ebene für wichtiger? Halten sie individuelle oder kollektive Aktionen für wichtiger? Und wie blicken sie auf die aktuellen Veränderungen und bevorstehenden Herausforderungen – eher pessimistisch oder eher optimistisch?  

Das vorliegende Projekt, das im Rahmen des Deutsch-Französischen Zukunftsdialogs 2019 durchgeführt wurde, hat sich für Angehörige der sogenannten „Generation Klima“ interessiert und dabei ihre tiefsten Überzeugungen hinterfragt – mit dem Ziel die Umrisse einer neuen europäischen Identität zu erfassen, die sich durch einen hohen Grad der Mobilisierung und Besorgtheit angesichts der Herausforderungen des Klimawandels auszeichnet.  

Für unsere Untersuchung haben wir eine Matrix kreiert, auf der sich unsere Gesprächspartner*innen angesichts der Transformationen im Zuge der Klimakrise verorten konnten. Mit Hilfe von zwei Fragen kann jede*r seine eigene Position mit den Ergebnissen der Befragten vergleichen: Auf welcher Ebene muss Veränderung stattfinden (global/individuell)? Wie engagiert bist du (weniger/sehr engagiert)? Die verschiedenen Profile unserer Gesprächspartner*innen haben wir in einem Quartettspiel zusammengefasst. 

Fazit 

Aus den insgesamt zwölf Interviews, die im Rahmen dieses Projekts durchgeführt wurden, lassen sich mit Blick auf das Wesen der neuen europäischen „Klima-Identität“  bzw. von Europas „Generation Klima“ folgende Schlüsse ziehen (wobei wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben): 

  • Die Intensität des Engagements (oder besser gesagt die Wahrnehmung des eigenen Engagements) nimmt mit dem Alter ab. So zieht die 32-jährige Rona eine indirekte und finanzielle Unterstützung der direkten Teilnahme an Aktionen wie Klimastreiks vor. Im Gegensatz dazu engagiert sich Quang sehr stark in der Berliner Gruppe von Fridays for Future und koordiniert sogar die wöchentlichen Demonstrationen.  
  • Der Grad der Mobilisierung hängt nicht davon ab, ob jemand die aktuelle Situation eher optimistisch oder pessimistisch betrachtet (und ebenso wenig vom Alter oder der Herkunft der/des Betreffenden), sondern vielmehr davon, wie gut er oder sie die wissenschaftlichen Fakten zum Thema kennt. Es scheint, als sei der Impuls dazu, selbst aktiv zu werden, unabhängig von der eigenen Wahrnehmung der Klimakrise (halbleeres oder halbvolles Glas).  
  • Der gewünschte Umfang der Maßnahmen zum Klimaschutz (kleine Alltagsgesten vs. staatliche Maßnahmen) ist unter den Befragten ziemlich ausgewogen verteilt. Dennoch deutet einiges darauf hin, dass diejenigen, die sich am stärksten für die Demonstrationen einsetzen (logischerweise) auch diejenigen sind, die mehr und vor allem ein stärkeres staatliches Eingreifen fordern. Es mag paradox erscheinen, dass es dieselben Personen sind, die sich im Alltag am meisten darum bemühen, ihre eigene Lebensweise zu verändern.  


Matrix

Ausführliche Interviews

Im Rahmen unseres Projekts haben wir unter anderem mit Ana Mihaila, Dorothée Bourdeaut, David Connolly, Edwin Vaca, Freya Porsch, Quang Anh Pasch und Rona MacRae gesprochen. Hier können die Interviews im Detail nachgelesen werden.


Dorothée Bourdeaut

  • 37 Jahre alt
  • Physiotherapeutin
  • Französin

Zu welcher Gruppe/Bewegung, die sich im Kampf gegen den Klimawandel engagiert, gehören Sie? 
Ich habe die Bewegung der Incroyables Comestibles (deutsch etwa: Die unglaublich Essbaren) zur Rettung von Lebensmitteln gegründet und sammele mit der bretonischen Organisation Les Mains dans le Sable (deutsch etwa: Die Hände im Sand) Müll von Stränden. Ich bin seit zehn Jahren im Umweltschutz aktiv.  

Welche Veränderung(en) wollen Sie durch Ihr Engagement in dieser Bewegung erreichen?  
Ich möchte andere durch mein Vorbild zum Mitmachen bewegen – Dinge, die vor zehn Jahren noch absurd erschienen wären, sind inzwischen möglich geworden. Dadurch, dass wir einmal Müll einsammeln, werden wir nicht alles verändern, aber wir zeigen damit, dass man die Dinge anders machen kann.     

Welche anderen Gruppen oder Institutionen sollten sich Ihrer Meinung nach mit Ihnen zusammen engagieren, um diese Veränderung zu erreichen?  
Die Veränderung beginnt bei jedem Einzelnen, auf der Ebene der Privatpersonen – die Unternehmen werden sich in der Folge an die veränderte Nachfrage anpassen.   Es wäre unmittelbarer, wenn die Regierung den Wandel gegenüber den Unternehmen durchsetzen würde, aber das ist aufgrund des Widerstands der Lobbygruppen unwahrscheinlich. Der Wandel muss also beim Individuum beginnen. Wie der französische Humorist und Aktivist Coluche einst sagte: „Wenn die Leute etwas nicht mehr kaufen, wird es auch nicht mehr produziert.“   

Welche Methoden wenden Sie an, um andere Personen/Akteure zum Handeln zu bewegen oder dazu zu bringen, der Bewegung beizutreten? 
Ich bemühe mich sehr, Einfluss auf meine Kinder zu nehmen, aber ich tue nicht besonders viel, um meine Freund*innen zum Mitmachen zu bewegen. Das ist nicht meine Art und ich denke auch, dass so etwas kontraproduktiv sein kann.

Welche Beziehungen unterhalten Sie zu anderen Gruppen, die gegen den Klimawandel kämpfen?
Nur über die sozialen Netzwerke, z. B. mit Zero Waste France und lokalen und nationalen französischen Umweltschutzgruppen.    

Blicken Sie optimistisch in die Zukunft?
Ich bin hin- und hergerissen – faktisch nein: Ich denke, es wird sehr schwer sein, unseren derzeitigen Lebensstil beizubehalten. Aber ich glaube an die Menschheit und sage mir deshalb, dass wir Lösungen finden werden.   


Rona MacRae

  • 32 Jahre alt
  • Anwältin
  • Schottin/Europäerin

Zu welcher Gruppe/Bewegung, die sich im Kampf gegen den Klimawandel engagiert, gehören Sie?  Ich engagiere mich in zwei Organisationen, Fauna & Flora und Greenpeace, die ich beide finanziell unterstütze.

Welche Veränderung(en) wollen Sie durch Ihr Engagement in dieser Bewegung erreichen?
Ich möchte, dass diese (und andere) Gruppen, den Themen Klimawandel und Umweltschutz zu einer größeren politischen Bedeutung verhelfen, damit rasch gehandelt wird.      

Welche anderen Gruppen oder Institutionen sollten sich Ihrer Meinung nach mit Ihnen zusammen engagieren, um diese Veränderung zu erreichen?
Die Veränderung muss auf drei Ebenen gleichzeitig stattfinden: Auf politischer Ebene müssen die nationalen Regierungen handeln. Aber da der Klimawandel ein globales Phänomen ist, hoffe ich, dass es ihnen gelingt, ihre Anstrengungen zu koordinieren, z. B. innerhalb der Vereinten Nationen oder der Europäischen Union.  Die Unternehmen tragen ebenfalls eine Verantwortung dafür, im Interesse der Allgemeinheit zu handeln und den neuen Kundenwünschen nachzukommen.  Schließlich muss auch jeder und jede Einzelne seinen bzw. ihren Beitrag leisten – durch die Veränderung der eigenen Konsumgewohnheiten und indem sie Druck auf ihre Abgeordneten ausüben, damit diese in ihrem Sinne handeln.    Diese drei Ebenen sind durch eine positive Dynamik – einen „Virtuous Circle“ – miteinander verbunden. So bringen z. B. die Bürger*innen die Politiker*innen dazu zu handeln, und die Politiker*innen schaffen ihrerseits den Rahmen für individuelle Verhaltensänderungen. Bei uns in Großbritannien konnte man das z. B. daran beobachten, dass durch die Einführung einer Abgabe von 5 Cent auf Plastiktüten deren Verbrauch um 90 % sank.   

Welche Methoden wenden Sie an, um andere Personen/Akteure zum Handeln zu bewegen oder dazu zu bringen, der Bewegung beizutreten? 
 Ich erinnere mich oft an ein Argument, mit dem mich ein Vegetarier vor vielen Jahren überzeugt hat. Er sagte mir, dass es nicht nötig sei, vollkommen auf Fleisch zu verzichten, um eine Veränderung zu bewirken. Schon an einem Tag in der Woche kein Fleisch zu essen, sei ein Fortschritt. Das ist eine sehr einfache Botschaft, aber ich denke, sie ist wirksam. Weil man dadurch vermeidet, dass Menschen sich bloß schuldig fühlen und ihnen erklärt, dass nicht unbedingt radikale Veränderungen von einem Tag auf den anderen nötig sind, um der Umwelt zu helfen. Das gilt selbstverständlich für viele Bereiche, auch über den Fleischkonsum hinaus!   

Welche Beziehungen unterhalten Sie zu anderen Gruppen, die gegen den Klimawandel kämpfen?  
Ich pflege keine solchen Beziehungen. Ich habe von Greta Thunberg und Extinction-Rebellion gehört, aber mich noch nicht an ihren Aktionen beteiligt.   

Blicken Sie optimistisch in die Zukunft?
Nicht kurzfristig: Ich denke die Probleme werden sich in den kommenden Jahren verschärfen, bis die Menschheit mit dem Rücken zur Wand steht und zum Handeln gezwungen ist. Genauso war es auch mit dem Ozonloch – erst als es möglich war auf internationaler Ebene koordiniert zu handeln, wurden auch Erfolge erzielt.   


David Connolly

  • 33 Jahre alt
  • Leiter WEF Community of Philanthropic Foundations
  • Irisch/Europäer

Zu welcher Gruppe/Bewegung, die sich im Kampf gegen den Klimawandel engagiert, gehören Sie? 
Ich bin sehr besorgt, aber fühle mich durch keine Gruppe oder Bewegung wirklich repräsentiert – mein Ansatz ist pragmatisch, einige der extremen Positionen passen nicht zu mir. Tatsächlich spielt mein Glaube eine große Rolle, was für ich für den Planeten empfinde. Ab einem bestimmten Punkt, jenseits der Fakten, sind unsere Glaubenssysteme der Schlüssel zu dieser Debatte.

Welche Veränderung(en) wollen Sie durch Ihr Engagement in dieser Bewegung erreichen?
Zunächst der nachhaltige Konsum auf persönlicher Ebene. Auf der Ebene der Wirtschaft geht es darum, die übermäßige Nutzung unserer Ressourcen zu vermeiden. Betrachtet man die Sustainable Development Goals (SDG’s), so haben sie drei Ebenen: der Planet, die Gesellschaft und die Wirtschaft.  

Welche anderen Gruppen oder Institutionen sollten sich Ihrer Meinung nach mit Ihnen zusammen engagieren, um diese Veränderung zu erreichen?
 Veränderungen müssen auf individueller Ebene stattfinden. Wir sind überwältigt von der Größe der Aufgabe, den Klimawandel zu verhindern. Deshalb bleiben wir auf der Makroebene stecken, aber es gibt tatsächliche echte Fortschritte auf der individuellen Ebene: Alltägliche Entscheidungen für uns als Konsumenten (von Nahrungsmitteln, Kleidung, Verkehrsmittel etc.) können einen Unterschied machen. Würden wir alle diese kleinen Schritte machen, würden wir gemeinsam einen großen Unterschied machen.  

Welche Methoden wenden Sie an, um andere Personen/Akteure zum Handeln zu bewegen oder dazu zu bringen, der Bewegung beizutreten?  
Ich bin kein guter Prediger – ich finde es sogar schwierig, selbst das umzusetzen, was ich fordere. Deshalb ist es für mich einfacher, es privat umzusetzen, als anderen Lektionen zu geben und sich dann wie ein Betrüger zu fühlen.  

Blicken Sie optimistisch in die Zukunft?
Ja – wir haben noch nie so lange gelebt. Noch nie waren wir so gebildet, nie kannten wir die Konsequenzen unseres Handels so gut. Ich befürchte, dass die Industrieländer auf Kosten der Entwicklungsländer (wie mit dem Waldabbau in Brasilien z. B.) weiterentwickeln. Dennoch bleibe ich optimistisch: Die meisten Indikatoren weisen in eine positive Richtung, sodass wir als Individuen gut gerüstet sein sollten, unseren Teil dazu beizutragen. Wir sollten aufhören, über Klimawandel zu sprechen – es sollte keine Debatte sein, ob und wie sehr menschliche Aktivitäten das Klima beeinflussen (was lediglich Leugner und Dogmaten hervorlockt) – sondern es sollte darum gehen, Hüter unseres Planeten zu sein und ihn so zu hinterlassen, wie wir ihn vorgefunden haben.  

Welche Rolle spielt dein Glauben in diesem Zusammenhang? 
Wenn du an Gott glaubst, glaubst du, dass er diesen Planeten für uns geschaffen hat. Aber das bedeutet nicht, dass wir ihn zerstören und ausplündern können, im Gegenteil! Die Botschaft des Evangeliums ist es, hinauszugehen und die Erde zu bevölkern. Aber es geht nicht um den Einzelnen: Meine Handlungen müssen den Planeten sauberer und besser hinterlassen, als ich ihn vorgefunden habe.  


Ana Mihaila

  • 21 Jahre alt
  • Studentin
  • Rumänin

Zu welcher Gruppe/Bewegung, die sich im Kampf gegen den Klimawandel engagiert, gehören Sie? 
Ich bin Mitglied der Fridays For Future Initiative in Cluj-Napoca.  

Welche Veränderung(en) wollen Sie durch Ihr Engagement in dieser Bewegung erreichen?
Durch unsere regelmäßigen Streiks wollen wir das Bewusstsein für den Klima-Notstand, in dem wir uns befinden, schärfen. 

Welche anderen Gruppen oder Institutionen sollten sich Ihrer Meinung nach mit Ihnen zusammen engagieren, um diese Veränderung zu erreichen? 
Größere Unternehmen mit einem gewissen Einfluss und einer stärkeren Stimme könnten für einen Wandel sorgen. Sie könnten aufhören, fossile Brennstoffe zu verarbeiten und Plastik zu benutzen und sie könnten ein funktionierendes Kreislaufmanagement aufbauen. All das fehlt noch in Rumänien.  

Welche Methoden wenden Sie an, um andere Personen/Akteure zum Handeln zu bewegen oder dazu zu bringen, der Bewegung beizutreten? 
Vorerst werden wir unsere Proteste fortsetzen, um Aufmerksamkeit zu erlangen und unsere Botschaft zu verbreiten. Ich habe zum Beispiel viele Leute davon überzeugt, eigene Taschen zum Einkauf mitzubringen anstatt Plastiktüten zu kaufen und wiederverwertbare Becher anstelle von Einwegbechern zu benutzen. Oder ich rede mit den Leuten über die drastisch ansteigenden Temperaturen im Sommer.  

Welche Beziehungen unterhalten Sie zu anderen Gruppen, die gegen den Klimawandel kämpfen?
 Die meisten meiner Freunde sind online im Kampf gegen den Klimawandel engagiert. Wir schicken uns zum Beispiel Links aktueller Veranstaltungen oder Methoden, wie wir die überflüssige Verschwendung von natürlichen Ressourcen verhindern können. Bisher kenne ich nur Fridays for Future, aber ich würde gerne weitere Initiativen kennenlernen.  

Blicken Sie optimistisch in die Zukunft?
Ich habe nicht viel Hoffnung für die Zukunft. Ich habe Angst, dass es in einigen Jahren schwieriger sein wird, zu atmen, dass Menschen öfter krank werden, dass unser Immunsystem sich nicht mehr auf die verschmutzte Luft und drastische Wetterveränderungen wird einstellen können. Mir tun die Kinder leid, die in diese verpestete Umwelt hineingeboren werden, die das Leben bald unmöglich machen wird.  

Freya Porsch

  • 21 Jahre alt
  • Studentin
  • Deutsche

Zu welcher Gruppe/Bewegung, die sich im Kampf gegen den Klimawandel engagiert, gehören Sie? 
Peer-Leader international, Fridays for Future Cluj-Napoca, Zerowaste lifestyle

Welche Veränderung(en) wollen Sie durch Ihr Engagement in dieser Bewegung erreichen?
Wenn ich in Deutschland bin, möchte ich als Mitglied von Peer-Leader international die lokale Bevölkerung und Politiker in meiner Region erreichen. Darüber hinaus arbeiten wir auf internationaler Ebene mit Partnern in Bosnien, der Ukraine, Israel, Brasilien und Südafrika zusammen, um voneinander zu lernen und unterschiedliche Perspektiven auf lokale und globale Themen einzunehmen. In Israel haben wir zum Beispiel mit einer Gruppe ein Projekt zu Flucht und Migration durchgeführt. Wir haben unsere Ideen ausgetauscht und verglichen. Schließlich haben wir Flüchtlinge in Israel und Rumänien befragt und gemeinsam eine Broschüre erarbeitet. Mir geht es um ein besseres Verständnis füreinander.

Ich nehme an dem wöchentlichen Fridays For Future-Protest in Cluj teil,um die Aufmerksamkeit der Menschen auf die globale Erwärmung zu lenken und zu zeigen, dass es sich um ein Thema handelt, an dem wir arbeiten müssen. Auch die Politiker möchte ich erreichen. Auf persönlicher Ebene versuche ich, so wenig Abfall wie möglich zu produzieren und Ressourcen zu sparen. Mein Hauptziel ist es, nur solche Ressourcen zu nutzen, die die Umwelt nicht belasten. 

Welche anderen Gruppen oder Institutionen sollten sich Ihrer Meinung nach mit Ihnen zusammen engagieren, um diese Veränderung zu erreichen?  
Die Regierungen können Gesetze erlassen, die die Luftverschmutzung durch die Industrie stoppen und fairen Handel unterstützen. Unternehmen sollten in grüne Energie und grüne Technologien investieren und Abfälle vermeiden. 

Welche Methoden wenden Sie an, um andere Personen/Akteure zum Handeln zu bewegen oder dazu zu bringen, der Bewegung beizutreten?  
Ich nutze meist die Methode der positiven Verstärkung. Ich bewahre meine Motivation, indem ich Leuten erzähle, wie wichtig [der Kampf gegen den Klimawandel ist], auch am Beispiel der Nachrichten, in denen man sehen kann, dass die Bewegung anderenorts noch größer ist. Ich schätze jeden Menschen und sage ihnen das auch persönlich.  Ich verbreite meine Ideen indem ich mit Freunden spreche und sie einlade [, sich ebenfalls zu engagieren] und ich poste Videos und Fotos in den sozialen Medien. Während der Proteste habe ich auch ein kleines Theaterprojekt als Methode gestartet.

Welche Beziehungen unterhalten Sie zu anderen Gruppen, die gegen den Klimawandel kämpfen? 
Ich treffe mich jeden Monat mit Gleichgesinnten zu den Greendrinks-Veranstaltungen. Hier tauschen engagierte Menschen ihre Ideen und Projekte aus, was man gegen den Klimawandel tun kann. Außerdem führe ich ein Projekt zu naturnaher Bildung an der Greenschool in Cluj durch. 

Blicken Sie optimistisch in die Zukunft? 
Ja, ich bin optimistisch. Wäre ich es nicht, würde nichts von dem was ich tue Sinn ergeben. Ich glaube an Veränderungen. Jeder noch so kleine Tropfen im Ozean zählt. 

Quang Anh Paasch

  • 18 Jahre alt
  • Student
  • Deutsch

Zu welcher Gruppe/Bewegung, die sich im Kampf gegen den Klimawandel engagiert, gehören Sie? 
Fridays For Future Germany – Berlin

Welche Veränderung(en) wollen Sie durch Ihr Engagement in dieser Bewegung erreichen?  
Unsere Hauptintention ist die Ermahnung an die Politik endlich auf den wissenschaftlichen Konsens zu hören. Das Pariser Klimaabkommen soll eingehalten werden. Wir erfinden das Rad nicht neu, sondern weisen lediglich auf uns seit 40 Jahren längst bekannten Fakten hin.Wir wollen aber natürlich auch Klima Gerechtigkeit auf der Welt. Wir können uns in der Nordhalbkugel bzw. den Industrieländern nicht auf unseren Reichtum und “tollen” Klimaschutz ausruhen, während die Südhemisphäre als erstes und am schlimmsten an dieser Klimakrise leiden wird.  

Welche anderen Gruppen oder Institutionen sollten sich Ihrer Meinung nach mit Ihnen zusammen engagieren, um diese Veränderung zu erreichen?
Ganz klar die Regierungen auf der ganzen Welt. Das Pariser Klimaabkommen wurde von 197 Staaten ratifiziert und wird voraussichtlich nicht annähernd eingehalten – ein Armutszeugnis für alle Staaten, die ernst genommen werden wollen. Es müssen natürlich auch Schritte aus der Wirtschaft kommen; wir können nicht abwarten bis der Staat Gesetze und Regeln verabschiedet. 

Welche Methoden wenden Sie an, um andere Personen/Akteure zum Handeln zu bewegen oder dazu zu bringen, der Bewegung beizutreten?   
Kommunikation und Aufklärung sind der Schlüssel. Erst wenn die Mehrheit der Gesellschaft versteht, dass wir uns in einer Krise befinden, werden die Menschen auch Lebensweisen hinterfragen und handeln. 

Welche Beziehungen unterhalten Sie zu anderen Gruppen, die gegen den Klimawandel kämpfen?   
Der Klimakampf geht nicht alleine. Wir sitzen alle in einem Boot. Klar betrifft es meine Jugend am längsten, aber es wird auch die Generation meiner Eltern betreffen. Extinction Rebellion als Klimabewegung oder verschiedenste NGOs wie Greenpeace stehen gemeinsam mit uns für eine Sache ein – eine Zukunft in der wir ohne Bedenken so leben können, wie wir es Generationen vorher getan haben. 

Blicken Sie optimistisch in die Zukunft?   
Optimistisch, dass wir Schlimmeres verhindern können. Die Bewältigung dieser Klimakrise ist die größte Herausforderung für uns als Menschen. Dennoch glaube ich fest daran, dass wir diese Krise auch bewältigen werden. Trotzdem müssen wir realistisch bleiben: Wenn das Paris-Abkommen eingehalten wird und ordentliche Maßnahmen ergriffen werden, sind die Erde und das Klimasystem nicht gerettet. All die Klimakatastrophen, die wir dieses Jahr und in den letzten Jahren erlebt haben, werden zur Normalität.


Edwin Vaca

  • 29 Jahre alt
  • Experte der Energiewirtschaft
  • Brite/Ecuadorianer

Zu welcher Gruppe/Bewegung, die sich im Kampf gegen den Klimawandel engagiert, gehören Sie?Extinction Rebellion (XR), zuvor im Umweltbereich bei „Conservation International“ [letzter Arbeitgeber von Edwin]. 

Welche Veränderung(en) wollen Sie durch Ihr Engagement in dieser Bewegung erreichen?
Bewusstsein schaffen, die Botschaft verbreiten. XR bietet hierfür die eine Struktur. Ich brauche einen festen Ausgangspunkt, kleine Projekte, um zu sehen, wie sich etwas ändert.

Welche anderen Gruppen oder Institutionen sollten sich Ihrer Meinung nach mit Ihnen zusammen engagieren, um diese Veränderung zu erreichen?
Lokale Abgeordnete sind das Hauptziel. Kleine Veränderungen innerhalb der eigenen Gemeinde können sich verbreiten. Die lokalen Behörden vor Ort können konkrete Veränderungen herbeiführen. Viel schwieriger ist es, die Regierung insgesamt zur Bewegung aufzufordern. Meine Eltern leben in der Nähe von Wimbledon und sind in einem Gemeinschaftsprojekt engagiert, das Saatgut und Pflanzen für Gemeinschaftsgärten zur Verfügung stellt. Dieses Projekt wurde schließlich auch von dem lokalen Abgeordneten unterstützt, um Aufmerksamkeit und Legitimität der Initiative zu stärken. Unter anderem hat das dazu geführt, dass nun mehr recycelt wird. So wird ein Momentum auf kommunaler Ebene geschafften.  

Welche Methoden wenden Sie an, um andere Personen/Akteure zum Handeln zu bewegen oder dazu zu bringen, der Bewegung beizutreten?  
 Wir arbeiten mit kleinen Gemeinschaften, machen Präsentationen und Workshops in Schulen. Wir nutzen vor allem spielerische Methoden, um unsere Botschaft zu vermitteln und stellen unsere Materialien den Teilnehmern im Anschluss zur Verfügung, zum Beispiel Poster. Anstatt mit extremen Positionen aufzutreten und Leute dazu bringen zu wollen, etwas tun zu müssen, arbeiten wir mit einem niedrigschwelligen Ansatz, der unser Zielpublikum zu Aktionen ermutigen soll, aber keinen vollständigen Wandel des Lebensstils verlangt. So ergibt sich im Idealfall ein Multiplikationseffekt.

Welche Beziehungen unterhalten Sie zu anderen Gruppen, die gegen den Klimawandel kämpfen? 
Ich bin auch in anderen Initiativen vernetzt, etwa dem WWF oder der Rainforest Alliance. In Großbritannien gibt es wenige Informationen dazu, verglichen etwa mit Ecuador oder Costa Rica, wo ich mehrere Jahre gelebt habe. Mit XR ändert sich das jedoch langsam. Noch hinkt Großbritannien aber hinterher.  

Blicken Sie optimistisch in die Zukunft?  
Als optimistische Person will ich optimistisch sein. Aber der Realist in mir sagt, dass [eine Katastrophe unausweichlich ist], sollte kein radikaler Politikwechsel stattfinden. Wir hatten vor kurzem den heißesten Tag in der Geschichte Großbritanniens – ich möchte nicht den Tag erleben, an dem diese Temperaturen normale Sommertage sind und wir in künstlich gekühlten Häusern wohnen. Ich bin optimistisch für Länder, die als erstes mit den Konsequenzen des Klimawandels konfrontiert sein werden, z.B. wegen eines steigendes Meeresspiegels oder [brennenden] Regenwäldern. Großbritannien wird jedoch nicht zu diesen Ländern gehören und wird deshalb wahrscheinlich auch nicht reagieren.