„Wo das Herz Europas schlägt…“

Geschlossene Grenzen: Belastungsprobe für die deutsch-französische Zusammenarbeit

Am 20. Mai veranstaltete das Frankreich-Programm der DGAP gemeinsam mit dem Deutsch-Französischen Zukunftsdialog ein Webinar zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit während der Corona-Krise. Dabei diskutierten die Referentinnen Anaïs Bordes, Referentin für grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Europaabteilung des Auswärtigen Amts, und Fréderique Seidel, Geschäftsführerin der Universität der Großregion (UniGR), insbesondere die Auswirkungen der Grenzschließung auf Familien, Arbeitnehmer*innen und Unternehmen in der Grenzregion, aber auch auf die deutsch-französische Zusammenarbeit im Allgemeinen.

Die Universität der Großregion umfasst Universitäten in vier Ländern, grenzüberschreitende Studiengänge, Kooperationen und Forschung, darunter ein Center for Border Studies mit über 80 Wissenschaftler*innen. Wie Frau Seidel beschrieb, ist die UniGR damit in der aktuellen Krise zugleich Beobachterin und Akteurin: Gerade zu Beginn galt es insbesondere, die Studierenden zu unterstützen, die die Grenzen nicht mehr passieren konnten. So dauerte es, bis sie einen besonderen Status erhielten, der ihnen einen Grenzübertritt erlaubte. Frau Seidel berichtete von einer gewissen Ratlosigkeit, die sie wegen der anfangs unkoordinierten Entscheidungen und schnellen Grenzschließungen empfand. Sie betonte, wie wichtig es gewesen wäre, stärker zu antizipieren, statt zu reagieren. Zudem hätte früher ein Dialog zwischen lokalen und nationalen Behörden, sowie zwischen den Ländern stattfinden müssen. So habe man erst gehandelt, als es die Reaktionen der Bürger*innen notwendig gemacht hätten und bis dahin die grenzüberschreitende Dimension lange ignoriert. Dabei seien die Instrumente des Krisenmanagements durchaus vorhanden gewesen, allerdings „fehlte die Gebrauchsanleitung“. Die Krise hätte jedoch auch gezeigt, welch große Bedeutung die Grenzregionen, die „Mini-Europas“, hätten.  

Für Frau Bordes, die in persönlicher Funktion sprach, hat die Pandemie sowohl die Schwierigkeiten als auch das Potenzial der deutsch-französischen Beziehungen aufgezeigt. So sei es zu guten Abstimmungen gekommen, die kurzfristig virtuell getroffen werden konnten und die man auch positiv kommunizieren müsse. Sie beschrieb zudem, dass die grenzüberschreitende Abstimmung beispielsweise in Bezug auf die Aufnahme von französischen Intensivpatient*innen in Deutschland sehr gut funktioniert habe. Nun sei es zentral, entschieden gegen Ressentiments und Rassismen vorzugehen. Dafür seien mehr Austausch und mehr Zusammenarbeit umso wichtiger. Eine wichtige Rolle könnte hierfür der im Aachener Vertrag vereinbarte und gerade lancierte Deutsch-Französische Bürgerfonds spielen. Außerdem sollten die neuen Kommunikationskanäle, die im Zuge der Krise entstanden sind, weiter genutzt werden.